750 Jahre Fürstenwalde


St. Johannis-Loge „Am rauhen Stein”


Kurze Chronik der Fürstenwalder Freimaurer-Loge
„Am rauhen Stein”
zu Fürstenwalde.

1888, 17. November

In Fürstenwalde ansässige Freimaurerbrüder, die Logen in Beeskow, Frankfurt an der Oder oder Berlin angehören, versammeln sich im Hotel „Kronprinz” nahe beim Bahnhof, um über die Gründung einer eigenen Loge zu beraten. 14 Brüder erklären sich sofort für eine eigene Loge und setzen unter Vorsitz von Eugen Mohr, königlicher Baurat, eine Gründungs-Kommission ein.

Hotel „Kronprinz”, später „Park-Hotel”. Inhaber Emil Teucher gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Loge (Foto Stadtmuseum Fürstenwalde).


1888, 21. Dezember

Eine zweite Versammlung bestätigt die Vorarbeiten und Beschlüsse der Gründungs-Kommission, insbesondere den Logen-Namen „Am rauhen Stein” und die Anmietung dreier Räume im Obergeschoss der „Philharmonie” in der Schützenstraße (heute Karl-Marx-Straße).

1888, 28. Dezember

Wahl von Eugen Mohr zum Vorsitzenden Logenmeister (Amtseinführung am 22. März 1889).


1889, 8. Januar

Erstmalige Wahl der weiteren Beamten der Loge.


1889, 23. Januar

Die Große Landes-Loge der Freimaurer von Deutschland bestätigt die beabsichtigte Verleihung der Konstitution an die neue Tochterloge.


1889, 22. März

Feierliche Lichteinbringung in die Logenräume in der „Philharmonie” mit über 100 einheimischen und auswärtigen Freimaurern und anschließender Tafelloge. Die Loge hat 19 Mitglieder.

Hermann Spieß, Bahnhofs-Restaurateur, Logenmitbegründer
und erster Zeremonienmeister
(Stadtmuseum Fürstenwalde)

Die „Philharmonie” von der Schützenstraße aus gesehen. Die drei angemieteten Logenräume nahmen das ganze Obergeschoss ein. Der Zugang zur Loge erfolgte über die einzige Treppe neben dem Schankraum im Erdgeschoss (Foto Stadtmuseum Fürstenwalde).


1891, Frühjahr

Logenmeister Mohr wird aus dienstlichen Gründen nach Oppeln in Schlesien versetzt. Der Abgeordnete Meister Dr. Julius Dallmann, Sanitätsrat, leitet die Loge vertretungsweise bis zur Neuwahl der Logenbeamten.

1892

Die Loge hat 41 Mitglieder. Darunter befinden sich z.B. der Apothekenbesitzer Gustav Roggatz, der mit einer Nichte Theodor Fontanes verheiratet ist, Brauereibesitzer und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Wilhelm Stimming, Maurermeister und Stadtrat Theodor Roth, Rechtsanwalt und Notar Max Kolberg, gleichzeitig Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, Mineralwasserfabrikant Reinhold Klehmet oder Buchhändler Bernhard Trebs. 

1892, 26. Februar

Dr. Dallmann wird zum ersten Mal zum Logenmeister gewählt und bleibt es bis zu seinem Tode am 17. Mai 1913 in sieben weiteren Wahlen (Amtseinführung am 22. März 1892).

Wilhelm Stimming
(Stadtmuseum Fürstenwalde)

Ausschnitt aus dem Protokollbuch der Loge über die Niederschrift der feierlichen Lichteinbringung am 22. März 1889.


1892

Gründung eines Baufonds für ein eigenes Logenhaus mit einem Startkapital von 180 Mark und Wahl einer Baukommission zur Suche eines geeigneten Grundstückes. Diese und zwei weitere Initiativen blieben in Bezug auf ein Baugrundstück erfolglos. Der Baufonds wurde 1913 zum Teil für die Renovierungskosten der Mieträume in der „Philharmonie” aufgebraucht und in de Inflation der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts entwertet.

1895, 27. Februar

Aufnahme des Brauereibesitzers Ludwig Mord als Johannis-Lehrling in einer rituellen Arbeit der Loge. Im Februar 1896 erfolgt seine Beförderung in den II. Grad des Johannis-Gesellen und im Mai 1897 die Erhebung zum Johannis-Meister im III. Grad. Ludwig Mord, der von 1913 bis 1919 als unbesoldeter Stadtrat auch dem Magistrat der Stadt Fürstenwalde angehörte, war über Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1926  in verschiedenen Logenbeamtenfunktionen so als I. und II. Aufseher, als Sekretär und Abgeordneter Logenmeister tätig.

Ludwig Mord (Privatbesitz Bosse)

1901, 14. November

Festloge zum 25-jährigen Maurerjubiläum des Logenmeisters Dr. Dallmann.


1913, 11. November

Wahl von Otto Kühne, Rektor, später Schulrat, zum Logenmeister (Amtseinführung am 22. März 1914).

1925

Die Loge hat 81 Mitglieder, doch die Unzufriedenheit mit Logenmeister Kühne wächst, der im Mai 1924 für die Bürgerliche Einheitsliste als Spitzenkandidat zur Kommunalwahl antrat und zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt wurde. Er gilt in seiner Amtsführung als Logenmeister selbstherrlich.


1925, 26. Februar

Die fünfte Wiederwahl des Logenmeisters Kühne scheitert knapp. Mit einer Stimme Mehrheit wird der Mitbewerber Dr. Richard Schultze, Sanitätsrat, zum Logenmeister gewählt. Kühne und sechs weitere Brüder treten im März 1926 aus der Loge aus. Zwei Brüder kehren später zur Loge zurück.

Typisches freimaurerisches
Trinkgefäß (sog. „Kanone”)
der hiesigen Loge in
Privatbesitz Sarrach


1926, 18. April

Dr. Schultze wird auf dem Stiftungsfest als Logenmeister eingeführt und verpflichtet.


1928

Zum 31. Dezember werden die Logenräume in der „Philharmonie” vom Inhaber des Restaurants gekündigt. Die Planungen für den Bau eines eigenen Logenhauses beginnen.


1928, 9. Juli

Erster Spatenstich für den Anbau eines Logenhauses an das „Schützenhaus” an der Trebuser Chaussee. Hierfür wurde zuvor am 3. Juli ein notarieller Nutzungsvertrag mit der Schützengilde nebst Eintrag im Grundbuch geschlossen. Die Bauplanung und -ausführung leitete der Logenbruder und Architekt Bahne Jacobsen.

Das Lokal „Schützenhaus” nördlich vom Bahnhof ist auf diesem Foto ohne
Logen-Anbau zu sehen (Foto Stadtmuseum Fürstenwalde)

1929, 20. Januar

Feierliche Lichteinbringung und 40. Stiftungsfest der Loge in den neuen Räumlichkeiten auf dem Gelände des Lokals „Schützenhaus”. Auf 290 Quadratmetern sind ein Gesellschaftsraum, ein Bibliothekszimmer, ein Meisterzimmer, die Dunkle Kammer, der Tempel und Nebenräume untergebracht. Die beiden größten Räume umfassen 60 bzw. 70 Quadratmeter. Max Weymann, Bücherwart und Druckschriftmeister der Loge, verfasst eine Chronik und Festschrift.


1930

Die Loge hat 65 Mitglieder wie z.B. den Treibriemenfabrikanten Eugen Galland, den Rektor der Ketschendorfer Schule Wilhelm Stolze, den Drogeriebesitzer Ernst Wagner, den Ketschendorfer Pfarrer Johannes Aisch, den Stadtarzt Dr. Kurt Rochs oder den Lehrer und Domorganisten Friedrich Adam.


1931, 17. März

Aufnahme des Kaufmanns Walter Loechel „zwecks innerer Vervollkommnung” als Freimaurer in die Loge (Matrikelnummer 151). Nach 1990 bzw. 2014 gelangen durch Loechels Tochter freimaurerische Gegenstände und Archivalien der Loge wieder nach Fürstenwalde zurück.

Deckblatt der Chronik von 1929

Johannes Aisch (Wikipedia)

Originalfoto und -passepartout des Logenfotos von Walter Loechel (Privatbesitz Sarrach)


1932, 23. Februar:

Mit Wilhelm Kolb, Ingenieur aus Ketschendorf, wird in der Fürstenwalder Loge ein letztes Mal nach dem Ritual ein Freimaurer-Lehrling aufgenommen (Matrikelnummer 154).
Ausschnitt Ritual 2


1933, 26. März

Die neuen politischen Verhältnisse nach der Machtergreifung der Nazis und die Hetze gegen Freimaurer üben ungeheuren Druck auf die Brüder aus. Von 2 Ehrenmitgliedern, 52 wirklichen Mitgliedern, sieben ständigen besuchenden Brüdern und einem dienenden Bruder zu Beginn des Logenjahres 1933/34 verblieben bis Anfang 1934 nur noch 28 wirkliche Mitglieder (23 einheimische und fünf auswärtige Brüder), vier ständige besuchende Brüder und ein dienender Bruder in der Loge.

Fragment der Notizen des I. Aufsehers Eugen Galland von 1928 über das Ritual im
Lehrlingsgrad (Stadtmuseum Fürstenwalde)


1933, 26. März

Die neuen politischen Verhältnisse nach der Machtergreifung der Nazis und die Hetze gegen Freimaurer üben ungeheuren Druck auf die Brüder aus. Von 2 Ehrenmitgliedern, 52 wirklichen Mitgliedern, sieben ständigen besuchenden Brüdern und einem dienenden Bruder zu Beginn des Logenjahres 1933/34 verblieben bis Anfang 1934 nur noch 28 wirkliche Mitglieder (23 einheimische und fünf auswärtige Brüder), vier ständige besuchende Brüder und ein dienender Bruder in der Loge.


1933, 8. Mai

Im Sinne einer Anpassung an die neuen Machthaber wird der Name in „Johannis-Loge Am Rauener Stein” geändert. Später ändert sich auch die Bezeichnung „Johannis-Loge” in „Johannis-Konvent”. Doch das ändert nichts am Ziel der Machthaber, die Freimaurerei zu unterdrücken. Der geänderte Name wird auch nicht wirklich verwendet.


1935, 6. April

Die Loge hat unter dem Vorsitz des Logenmeisters Dr. Schultze noch 24 Mitglieder.

Letzte Übersicht der Logenmitglieder nach dem Verzeichnis für das Maurerjahr 1935/36


1935, 17. Juli

Die Auflösung der Loge wird von den Nazis erzwungen. Die Loge wird abgewickelt und erhält einen Liquidator. Das Eigentum wird verkauft und die Logenräume werden 1936 einer Nutzung durch das Nationalsozialistische Kraftfahrerkorps (NSKK) zugeführt. Das Gebäude wird im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Brief mit Androhung von Repressalien 1935, zugleich Warnung an die Logenbrüder (Stadtmuseum Fürstenwalde)


1937

Trotz allgegenwärtiger Bedrohung und Einschüchterung durch die Nazis stehen viele Logenbrüder weiterhin treu zu ihren freimaurerischen Idealen und halten das Andenken an ihre Loge hoch. Der Kalender Walter Loechels für das Jahr 1937 vermerkt weiterhin alle Geburts- und Hochzeitstage seine Logenbrüder sowie das Datum ihrer Aufnahme als Freimaurer.

Auszug aus dem Kalender 1937 mit den Daten (eigene) Aufnahme 1931 (17. März) bzw. Aufnahme Rektor (Wilhelm) Richter 1907 (19. März)


2015, Frühjahr

Der marode Baukörper der „Philharmonie”, letztes steinernes Zeugnis der Heimstatt Fürstenwalder Freimaurer, wird abgerissen und soll durch Wohnungsneubau ersetzt werden. Ein Tafel soll später auf das Wirken von Freimaurern an diesem Ort hinweisen.

Die „Philharmonie” kurz vor dem Abriss 2015 (Foto Privatbesitz)


2015, 29. Juni

In einem Vortrag im Gewölbekeller des Restaurants „Bischofsschloss” wird 80 Jahre nach der von den Nazis erzwungenen Dunkelheit der Loge, die auch in der Zeit nach 1945 weiter andauerte, an die Geschichte der Fürstenwalder Freimaurer erinnert.


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